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Die Anatomie der medialen Knieregion
An der Innenseite verläuft das Innenband, das dem Gelenk seitliche Stabilität gibt und vor allem einem Aufklappen nach innen entgegenwirkt. Dahinter liegt der Innenmeniskus, eine halbmondförmige Struktur, die Kräfte verteilt und mit der Gelenkkapsel verbunden ist. Etwas unterhalb, an der Vorderinnenseite des Schienbeins, setzen mehrere Oberschenkelmuskeln mit einer gemeinsamen Sehnenplatte an. Dazu kommt der innere Gelenkabschnitt selbst, über den beim Gehen ein erheblicher Teil der Last läuft. Alle diese Strukturen liegen innerhalb weniger Zentimeter beieinander. Hinzu kommt, dass der innere Anteil des Gelenks beim aufrechten Stand einen größeren Teil der Last trägt als der äußere. Diese Verteilung erklärt, weshalb die Innenseite so häufig genannt wird.
Für die Beschreibung bedeutet diese Dichte, dass Zentimeter zählen. Liegt der Schmerzpunkt auf Höhe des Gelenkspalts, also dort, wo Ober- und Unterschenkel aufeinandertreffen? Oder deutlich darunter am Schienbein? Oder eher oberhalb? Legen Sie im Sitzen bei leicht gebeugtem Knie einen Finger auf die schmerzhafteste Stelle und merken Sie sich die Position im Verhältnis zur Kniescheibe. Prüfen Sie zusätzlich, ob die Stelle auf Druck empfindlich ist. Diese einfache Beobachtung ersetzt keine Untersuchung, gibt dem Gespräch aber sofort eine konkrete Grundlage. Achten Sie auch darauf, ob die Stelle im Stehen deutlicher hervortritt als im Sitzen und ob leichter Druck den Schmerz genau reproduziert.
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Bewegungen, die die Innenseite besonders fordern
Belastet wird die mediale Seite vor allem dann, wenn das Knie nach innen einknickt, während der Fuß steht. Dieses Muster tritt beim Landen, beim schnellen Richtungswechsel, beim Treppabgehen und beim Aufstehen aus tiefer Position auf. Auch Drehbewegungen bei belastetem, gebeugtem Bein fordern die Innenseite. Im Sport betrifft das Ballspiele, Ski, Tanz und Kampfsport; im Alltag zeigt es sich beim Aussteigen aus dem Auto oder beim Umdrehen mit einer Last auf dem Arm. Beim Brustschwimmen kommt eine kräftige Beinbewegung mit Außendrehung hinzu, die manche Menschen an der Innenseite spüren. Auch längeres Sitzen im Schneidersitz wird von manchen Menschen an der Innenseite bemerkt.
Halten Sie fest, welche dieser Situationen bei Ihnen zuverlässig Beschwerden auslöst und welche problemlos möglich sind. Ebenso wichtig ist, ob es einen Startpunkt gab. Ein Verdrehen beim Sport, ein Ausrutschen oder ein Tritt ins Leere sind Ereignisse, an die man sich meist erinnert, wenn man gezielt danach sucht. Wenn ein solcher Moment am Anfang stand und danach Schwellung oder ein Instabilitätsgefühl auftrat, gehört das ärztlich beurteilt, auch wenn die Beschwerden zwischenzeitlich nachgelassen haben. Auch ein Ereignis ohne Sturz zählt, etwa ein Fehltritt von einer Bordsteinkante oder ein Ausrutschen auf nassem Boden. Solche Momente werden häufig als zu unbedeutend eingestuft und deshalb nicht erwähnt.
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Wie sich Innenseitenbeschwerden im Alltag zeigen
Berichtet werden sehr unterschiedliche Bilder. Manche beschreiben einen punktförmigen Druckschmerz, den sie exakt lokalisieren können, andere ein diffuses Ziehen, das die ganze Innenseite umfasst. Häufig genannt werden Beschwerden beim Treppabgehen, beim Drehen im Stand und beim Liegen auf der Seite, wenn die Knie aufeinanderliegen. Manche Menschen bemerken den Schmerz erst nach längerem Gehen, andere unmittelbar bei Belastung. Auch das Ausmaß schwankt: von einem gelegentlichen Hinweis bis zu einer deutlichen Einschränkung der Gehstrecke. Manche bemerken zusätzlich ein Spannungsgefühl, das nach längerem Gehen zunimmt und in Ruhe wieder abklingt. Wieder andere beschreiben, dass die Innenseite vor allem bei kaltem Wetter unangenehm wird, was für sich genommen keine Aussagekraft hat.
Nützlich ist der Seitenvergleich. Fühlt sich die Innenseite geschwollen an, wenn Sie mit flacher Hand über beide Knie streichen? Ist die Beweglichkeit eingeschränkt, lässt sich das Bein also nicht so weit strecken oder beugen wie auf der Gegenseite? Verändert sich der Schmerz, wenn Sie ohne Last drehen, statt unter Gewicht? Diese Prüfungen sind keine Tests im medizinischen Sinn und liefern kein Ergebnis. Sie liefern Beschreibungen – und die sind der Rohstoff, aus dem in der Sprechstunde eine Einordnung entsteht. Führen Sie diese Vergleiche in Ruhe und ohne Kraftaufwand durch und brechen Sie ab, sobald etwas deutlich schmerzt. Es geht um Beobachtung, nicht um eine Belastungsprobe.
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Wann eine Abklärung angezeigt ist
Zeitnah untersuchen lassen sollten Sie eine Innenseite, die nach einem Verdrehen oder Sturz stark schmerzt, ein Knie, das anschließend deutlich anschwillt, sowie jedes Gefühl von Nachgeben oder Unsicherheit beim Auftreten. Auch ein Gelenk, das sich nicht mehr vollständig strecken lässt oder in einer Stellung blockiert, gehört unverzüglich beurteilt. Rötung mit Überwärmung, Fieber oder starkes Krankheitsgefühl sind Gründe für eine sofortige Vorstellung. Ohne solche Zeichen ist ein Termin sinnvoll, wenn die Beschwerden über zwei bis vier Wochen bestehen bleiben oder zunehmen. Auch eine wiederkehrende Schwellung nach Belastung sowie zunehmende Beschwerden trotz reduzierter Aktivität sprechen für einen zeitnahen Termin.
In der Praxis wird zunächst die Vorgeschichte erhoben und das Knie untersucht, meist im Seitenvergleich und mit Blick auf Hüfte und Fuß. Ob Bildgebung nötig ist, ergibt sich daraus. Für Sie selbst gilt ein zurückhaltender, aber nicht ängstlicher Umgang: Belastungen, die deutliche Schmerzen auslösen, vorerst reduzieren, Bewegung insgesamt aber beibehalten. Gezielter Kraftaufbau und die Arbeit an der Beinachse gehören in die Physiotherapie, wo Ausführung und Dosierung kontrolliert werden können. Pauschale Übungsempfehlungen aus dem Internet ersetzen diese Anpassung nicht. Bringen Sie zu diesem Termin auch Befunde früherer Untersuchungen mit, sofern Sie welche haben, und nennen Sie Sportarten, die Sie regelmäßig ausüben.